GmbH-Anteilsübertragung: Wann ist der Notar Pflicht?

GmbH-Anteile übertragen: notarielle Beurkundungspflicht nach § 15 GmbHG, Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft, Gesellschafterliste, Kosten. Notar Rink Hannover.

5 Min. LesezeitAktualisiert am 28. September 2026
GmbH-Anteilsübertragung: Wann ist der Notar Pflicht?

Die Übertragung eines GmbH-Geschäftsanteils ist einer der Vorgänge im deutschen Gesellschaftsrecht, bei denen die notarielle Beurkundung zwingend vorgeschrieben ist. § 15 Abs. 3 GmbHG ordnet die Formpflicht klar an – und die Rechtsprechung hat die Anforderungen über Jahrzehnte präzisiert. Diese Seite erklärt, warum die Beurkundung nicht umgangen werden kann, welche Konstellationen betroffen sind und wie der Ablauf beim Notar aussieht.

Die gesetzliche Grundlage: § 15 GmbHG

Das GmbH-Gesetz kennt in § 15 zwei zentrale Bestimmungen:

§ 15 Abs. 3 GmbHG – Zur Abtretung von Geschäftsanteilen durch Gesellschafter bedarf es eines in notarieller Form geschlossenen Vertrags.

§ 15 Abs. 4 GmbHG – Der notariellen Form bedarf auch eine Vereinbarung, durch welche die Verpflichtung eines Gesellschafters zur Abtretung eines Geschäftsanteils begründet wird.

Damit sind beide Vertragsteile beurkundungspflichtig:

  • Verpflichtungsgeschäft (§ 15 Abs. 4 GmbHG) – der Kaufvertrag, Schenkungsvertrag oder Einbringungsvertrag, in dem sich der Gesellschafter zur Abtretung verpflichtet
  • Verfügungsgeschäft (§ 15 Abs. 3 GmbHG) – die eigentliche Abtretung, mit der der Anteil auf den Erwerber übergeht

In der Praxis werden beide Geschäfte fast immer in einer einzigen notariellen Urkunde zusammengefasst.

Achtung

Die Formpflicht dient dem Übereilungsschutz und der Beweiskraft. Sie kann nicht durch Klauseln, „Erfüllungserklärungen" oder nachträgliche Bestätigungen umgangen werden. Ohne notarielle Beurkundung ist der Vertrag nach § 125 BGB nichtig.

Wann greift die Beurkundungspflicht?

Die Beurkundungspflicht greift ausnahmslos bei jeder Übertragung eines GmbH-Geschäftsanteils – unabhängig von Anlass, Höhe oder Beteiligten:

  • Verkauf an einen Dritten oder Mitgesellschafter
  • Schenkung unter Ehegatten, an Kinder oder Enkel
  • Einbringung in eine andere Gesellschaft (Sacheinlage bei Kapitalerhöhung)
  • Tausch gegen Anteile an einer anderen Gesellschaft
  • Übertragung im Rahmen einer Erbauseinandersetzung (soweit sie nicht durch bloße erbrechtliche Teilung stattfindet)
  • Teilübertragung (nach vorheriger Anteilsteilung, die selbst wieder beurkundungspflichtig ist)
  • Zurückübertragung bei Ausübung von Rückforderungsrechten
  • Übertragung als Kreditsicherheit (Sicherungsübertragung)

Auch die Verpflichtung zur zukünftigen Übertragung – etwa in Vorkaufsrechtsvereinbarungen, Options- oder Rückkaufsrechten – bedarf der notariellen Form.

Was ist nicht beurkundungspflichtig?

  • Der Erwerb durch Erbgang – erfolgt kraft Gesetzes ohne Rechtsgeschäft, keine Form nötig; die Anteilsverteilung innerhalb der Erbengemeinschaft ist aber wieder formbedürftig, wenn sie eine Auseinandersetzung darstellt
  • Die Bestellung eines Pfandrechts an einem GmbH-Anteil (§ 15 Abs. 3 GmbHG greift nach herrschender Meinung nicht)
  • Die bloße Anmeldung der neuen Gesellschafterliste beim Handelsregister – hier genügt die notariell beglaubigte Unterschrift

Was passiert ohne Beurkundung?

Wird ein GmbH-Anteil ohne notarielle Beurkundung „übertragen" (etwa durch privatschriftlichen Vertrag), tritt in der Regel Folgendes ein:

  • Der Vertrag ist nach § 125 BGB nichtig
  • Der Anteil geht nicht auf den vermeintlichen Erwerber über
  • Der Verkäufer bleibt formal Inhaber mit allen Stimm- und Gewinnrechten
  • Bereits gezahlter Kaufpreis ist als ungerechtfertigte Bereicherung (§ 812 BGB) zurückzuerstatten
  • Auch eine im Handelsregister eingereichte falsche Gesellschafterliste heilt den Formmangel nicht

Praxistipp

In Ausnahmefällen kann eine spätere Heilung durch nachträgliche notarielle Beurkundung erfolgen (§ 15 Abs. 4 Satz 2 GmbHG bei nichtiger Verpflichtung, wenn die Abtretung wirksam beurkundet wird). Diese Heilung ist jedoch komplex und sollte nicht als Lösung eingeplant werden.

Ablauf beim Notar

Der typische Ablauf einer GmbH-Anteilsübertragung umfasst folgende Schritte:

1. Eckdaten übermitteln

Käufer und Verkäufer teilen dem Notar mit:

  • Firma und Handelsregisternummer der GmbH
  • Aktueller Gesellschafter und zu übertragender Anteil (Anteil-Nummer laut Gesellschafterliste, Nennbetrag)
  • Personalien von Käufer und Verkäufer
  • Kaufpreis und Zahlungsmodalitäten
  • Gewinnzuweisung (bis wann steht der Gewinn dem Verkäufer, ab wann dem Käufer zu?)
  • Ggf. Gewährleistungsregelungen und Rücktrittsrechte
  • Bei komplexen Fällen: Haftungsbeschränkungen, Wettbewerbsverbote, Nachhaftung

2. Vertragsentwurf und Prüfung

Der Notar erstellt einen ausführlichen Entwurf, der beiden Parteien zur Prüfung übersandt wird. Für eine sorgfältige Prüfung sollte ausreichend Zeit einkalkuliert werden – bei Verbrauchern ist die zweiwöchige Wartefrist nach § 17 Abs. 2a BeurkG zu beachten.

3. Notarielle Beurkundung

Beide Parteien (oder ihre Bevollmächtigten – Vollmacht muss ihrerseits notariell beglaubigt sein) erscheinen beim Notar. Der Notar verliest den vollständigen Vertrag, erläutert die rechtlichen Folgen und lässt beide Parteien unterschreiben.

4. Neue Gesellschafterliste

Nach der Beurkundung ist der Notar nach § 40 Abs. 2 GmbHG verpflichtet, eine neue Gesellschafterliste zu erstellen und beim Handelsregister einzureichen. Sie zeigt die geänderte Zusammensetzung nach der Übertragung. Erst mit Aufnahme der neuen Liste im Handelsregister ist der Erwerber gegenüber der Gesellschaft als Gesellschafter legitimiert (§ 16 Abs. 1 GmbHG).

Achtung

Solange die neue Liste nicht im Handelsregister aufgenommen ist, wirkt der bisherige Gesellschafter nach außen weiter. Bei zeitkritischen Vorgängen (Gesellschafterversammlungen, Ausübung von Stimmrechten) sollte dieser Zeitraum bei der Planung berücksichtigt werden.

Besondere Konstellationen

Übertragung an oder von einem Minderjährigen

Bei Beteiligung Minderjähriger ist zusätzlich die familiengerichtliche Genehmigung einzuholen (§ 1643 BGB). Der Notar unterstützt bei der Antragstellung.

Übertragung unter Ehegatten

Auch bei Ehegatten gilt die Formpflicht. Bei Zugewinngemeinschaft ist zu prüfen, ob die Übertragung dem Zustimmungserfordernis nach § 1365 BGB unterliegt (wenn der Anteil im Wesentlichen das gesamte Vermögen darstellt).

Übertragung von Vinkulierten Anteilen

Der Gesellschaftsvertrag kann die Übertragung an die Zustimmung der Gesellschaft oder der anderen Gesellschafter binden (Vinkulierung). Der Notar prüft den aktuellen Gesellschaftsvertrag und holt bei Bedarf die erforderlichen Zustimmungsbeschlüsse ein.

Verschmelzungsähnliche Konstellationen

Bei Einbringung eines GmbH-Anteils in eine andere Gesellschaft (Sachkapitalerhöhung) ist zusätzlich ein Sachgründungsbericht bzw. Werthaltigkeitsbericht erforderlich. Der Notar koordiniert die Beurkundung der Einbringung mit der beurkundungspflichtigen Kapitalerhöhung.

Kosten der Beurkundung

Die Notarkosten richten sich nach dem Geschäftswert – bei einer Anteilsübertragung ist das der Kaufpreis oder (bei Schenkungen oder deutlich unter Wert liegenden Übertragungen) der Verkehrswert des Anteils.

Beispielhafte Beurkundungskosten (2,0-Gebühr, netto, ohne Auslagen, Umsatzsteuer und Vollzugsgebühren):

Kaufpreis / WertNotarkosten
25.000 €ca. 230 €
50.000 €ca. 330 €
100.000 €ca. 546 €
250.000 €ca. 1.070 €
500.000 €ca. 1.870 €
1.000.000 €ca. 3.670 €

Zusätzlich fallen an:

  • Vollzugsgebühr für Erstellung und Einreichung der neuen Gesellschafterliste (typischerweise 20–150 €)
  • Handelsregisterkosten für die Aufnahme der neuen Liste (i. d. R. 30 € Gerichtsgebühr)
  • Auslagen (Kopien, elektronische Einreichung) und Umsatzsteuer

Verbindlich ist die Kostenberechnung im Einzelfall.

Was Notar Rink für Sie übernimmt

  • Beratung zur rechtlichen Ausgestaltung – Kaufvertrag, Schenkung, Einbringung, Teilübertragung
  • Prüfung des Gesellschaftsvertrags auf Vinkulierungen, Vorkaufsrechte und Zustimmungserfordernisse
  • Individueller Vertragsentwurf mit Regelungen zu Gewährleistung, Nachhaftung, Wettbewerbsverboten
  • Notarielle Beurkundung von Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft in einer Urkunde
  • Einholung von Zustimmungsbeschlüssen und familiengerichtlichen Genehmigungen, wo erforderlich
  • Erstellung und Einreichung der neuen Gesellschafterliste beim Handelsregister
  • Betreuung bis zur Aufnahme der neuen Liste im Handelsregister

Häufige gestellte Fragen